Warum Accessibility im Content Management wichtig ist

Accessibility ist wichtiger denn je. Im Rahmen unseres eigenen Research & Development Prozesses haben wir erkannt, was heute im Marketing und der Kommunikation oftmals noch vernachlässigt wird. Wie kommen wir zu einer solchen Aussage? Wie erkennen wir, was relevant ist und was kannst du in diesem Kontext verbessern?

Wie wir am Puls der Zeit bleiben …

Seit Mitte 2018 finden bei YOUNITY regelmässige interne «R&D-Meetings» statt. «R&D» steht für Research & Development, was man vor allem aus den gleichnamigen Abteilungen von Grossunternehmen kennt, die eigene Innovationen anstreben. Bei YOUNITY wird keine «Forschung und Entwicklung» als solche betrieben. Unsere R&D-Meetings haben jedoch verschiedene Ziele – hauptsächlich bieten sie eine Plattform, um sich im Team gegenseitig mit technologischen Fragen auseinanderzusetzen, die über das Daily Business hinausgehen. Das erweitert nicht nur unseren Horizont, sondern motiviert uns, stets die state-of-the-art-Technologien für unsere Kunden zu analysieren. Denn wer uns kennt, weiss: Wir sind stets am Puls der Technologien. Doch das ist nicht immer einfach – den Fokus auf die richtigen aktuellen und zukünftigen Trends zu setzen, benötigt viel Zeit und einen gewissen Wissensdurst. Wir beobachten während den «R&Ds» verschiedene Entwicklungen und schauen uns diese gemeinsam im Team an. Von der Blockchain, über Software-Versionsverwaltung, Robotic Process Automation, Webtechnologien bis hin zu abstrakten Gebieten wie Quantencomputer wurden schon verschiedenste Themen behandelt und Workshops durchgeführt. So behalten wir unterschiedlichste Technologien auf dem Radar und entscheiden gemeinsam, was wir einsetzen, beobachten, ausprobieren oder vertiefen.

Unsere Meetings und Workshops haben aber auch das Ziel, gewisse Gebiete aufzufrischen, die in unserem Umfeld manchmal von Auftraggebern und Dienstleistern leider etwas in Vergessenheit geraten können. Das kann beispielsweise die Cybersecurity betreffen, aber auch andere sehr wichtige Themen wie die Accessibility. Letzteres stand vor zwei Wochen im Fokus des R&D-Meetings.

Was ist Accessibility?

Uns ist aufgefallen, dass oft die Begriffe Usability und Accessibility verwechselt werden. Schaffen wir doch kurz Klarheit:

  • Usability bezeichnet die Benutzerfreundlichkeit, oder besser die Gebrauchstauglichkeit. Der Begriff beschreibt die Bedienbarkeit von Systemen, Geräten usw. Je einfacher und schneller User die persönlichen Ziele erreichen, desto mehr usable ist ein Produkt.
  • Accessibility beschreibt, wie Angebote von allen Nutzern unabhängig von ihren Einschränkungen oder technischen Möglichkeiten uneingeschränkt genutzt werden können. Accessibility wird in der Developer-Community oftmals mit «A11y» abgekürzt.

Wir haben uns also damit beschäftigt, was besonders in digitalen Kanälen wie Webseiten berücksichtigt werden muss, um möglichst wenig Barrieren einzubauen. Barrieren, die für verschiedenste Menschen mit diversen Einschränkungen eine Rolle spielen.

Betroffene Menschen … und Suchmaschinen!

Wenn du von Accessibility sprichst, solltest du möglichst weit denken, denn Accessibility soll ein integraler Bestandteil von Projekten sein und in jeder (Internet-)Strategie berücksichtigt werden. Internetangebote des Schweizer Staates und bundesnahen Firmen, müssen per Gesetz für Behinderte ohne erschwerende Bedingungen zugänglich sein. Ebenfalls solltest du dir überlegen, was für Einschränkungen bspw. die Webseitenbesucher aufweisen könnten. Dazu gehören sicherlich Sehschwächen oder Blindheit, doch die Liste ist (leider) viel länger. Wenn du eine Webseite oder sonstige digitale Ausgaben planst und entwickelst, denke immer an mögliche Einschränkungen und Barrieren. Die folgende, nicht abschliessende Liste kann dir dabei helfen:

  • Sehschwächen und Farbblindheit
  • altersbedingte Einschränkungen
  • motorische Störungen, Spastiken
  • Einsatz von Screenreadern oder anderer unterstützender Soft- und Hardware (Braille-Zeile, Pointer usw.)
  • Gehörlosigkeit
  • kognitive Behinderungen
  • fehlende Sprachkenntnisse
  • fehlende Interaktions-/Navigationskenntnisse
  • Lichtverhältnisse, Infrastruktur (Ladezeiten) usw.
  • mobile Geräte
  • Stress
  • Müdigkeit
  • Grobmotorik
  • und viele mehr …

Von der Barrierefreiheit profitieren alle! Denn das Einhalten und Optimieren von Accessibility hat positive Auswirkungen auf Suchmaschinen (SEO), Mobile Nutzer, Senioren, unerfahrene Nutzer und viele weitere. Wir empfehlen aus diesen Gründen, die Accessibility ernst zu nehmen und sie soweit wie möglich zu erfüllen.

Einfache Techniken und Möglichkeiten zur Reduktion von Barrieren

Im Falle von Webseiten kann mit wenigen und einfachen Mitteln schon sehr viel in erreicht werden. Viele Barrieren können bspw. von der Redaktion sowie von Personen mit Kanal- und Content-Verantwortung beseitigt werden. Nachfolgend einige paar Beispiele, was bei der Erfassung von Inhalten für digitale Kanäle berücksichtigt werden kann:

  • Inhaltsgliederung (Überschriften, Textlängen, Gliederung …)
  • Schreibstil (einfache verständliche Sprache, Wahl der (Fremd-)Wörter …)
  • Einhaltung von Titel-Hierarchien (Korrekte Wiedergabe der Inhaltsstruktur, Reihenfolgen …)
  • korrekter Einsatz von Elementen (Listen, Tabellen, Auszeichnungen …)
  • Beschreibungen, Untertitel und Transkripte (Bilder/Tabellen, Videos, Audio, Links …)

Weiter sollen von Seite Entwicklung und UX/UI Themen berücksichtigt werden wie:

  • Vermeidung von Workarounds wie Text auf Bild, Tabellen für Layoutzwecke
  • Positionierung von Elementen
  • Berücksichtigung von Grundsätzen der Dialoggestaltung wie Steuerbarkeit, Fehlertoleranz, Erwartungskonformität usw.
  • Einsatz von Hilfsmitteln, bspw. WCAG-Checker, Checklisten usw.

Learnings

  • Accessibility bedeutet: Bedienbar für alle. Technologie ist mächtiger, wenn sie von allen genutzt werden kann. Beachte das in deiner Omni-Channel-Kommunikation!
  • Das Einhalten von Grundregeln im Content-Management begünstigt auch Mobile Nutzer, Hör- und Sehbehinderte, Senioren, unerfahrene Nutzer, motorisch oder kognitiv behinderte Personen usw.
  • Accessibility ist auch SEO!
  • Accessibility gilt nicht nur für Webseiten. PDFs, Audio, Video usw. sind ebenfalls betroffen. Dies ist besonders wichtig, wenn mehrere Kanäle (Omni-Channel-Communication) berücksichtigt werden müssen.
  • Verschiedene Stakeholder können ihren Part übernehmen. Bspw. Designer (Schriftgrössen, Kontraste, …), Redakteure (einfache Sprache, Titelhierarchien, …) und Entwickler (Einsatz von WAI-ARIA, Vermeidung von störendem JavaScript, …)
  • Internetangebote des Schweizer Staates (Bund, Kantone, Gemeinden und bundesnahe/verwaltungsnahe Firmen) müssen per Gesetz (seit 1. Januar 2004) für Behinderte ohne erschwerende Bedingungen zugänglich sein.
  • Accessibility soll im Anforderungsmanagement berücksichtigt werden, damit die Requirements erfüllt werden können

Accessibility